Über Orakel und Blutopfer

Mit theatercombinat-Leiterin Claudia Bosse, dem neuen Album von Fauna und neuen Cuts aus dem Ö-Underground.

Hi, mein Name ist Christoph Benkeser. Du bist bei Grundrauschen gelandet, einem Newsletter zur gleichnamigen Radiosendung auf Radio Orange 94.0. Hier bespreche ich Neues aus der österreichischen Underground-Szene, verlinke zu aktuellen Lieblingsstücken und schaffe Raum für Gedanken, die rauschen.

Grundrauschen zum Tag

»Der November wird ein dunkler Monat«, wusste der Gesundheitsminister schon im Oktober. Angesichts der ganz umfänglichen Gesamtscheiße, mit der sich 2020, dieses ohne Prämie abzuwrackende Seuchenjahr, beschmiert hat, kann man nur hoffen, dass nach der Finsternis so etwas wie das Licht am Ende des Tunnels auf uns wartet. Oder anders gesagt: Dass wir die Klärgrube nicht nur auspumpen, sondern nächstes Jahr durchlüften und anschließend zwei oder zwölftausend Duftbäume im Land verteilen, um den Karren durch den TÜV für Gesellschaftsanliegen und psychisches Eigenwohl zu bekommen.

Alles halb so schlimm, alles nicht ganz so ernst, das haben sich wohl auch die Kulturbetriebe erhofft, bevor sie geschlossen und auf Nachdruck zusperren mussten. Während man beim allwöchentlichen Samstagsgebet der Bundesregierung drei Kerzlein entflammen darf, fährt das ganze Land herunter wie ein Microsoft-Computer nach 95 Fehlermeldungen. (an dieser Stelle ein ernstgemeintes Gottseibeieuch für all jene, die morgen mit verweinten Augen am Stadtrand vor dem Baumarkt stehen und nicht mehr wissen, wo sie jetzt den systemrelevanten Fugenmörtel herbekommen).

Blöd nur, dass Ironie allein dem allgemeinen Wärmeempfinden trotz freudigem 18-Uhr-Geklatsche mit anschließendem Abschluss in autogenem Training auch nicht einheizt. Zumindest nicht dort, wo man es brauchen könnte. Denn: Der Kultur ging es schon besser, das hört man von allen Seiten. Das Geld fehlt, die Proben fallen aus, und wer sich ans letzte Konzert im Frühjahr diesen Jahres erinnern kann, ging mit Sicherheit nach Hause.

Dabei herrschte noch im Oktober leichte Zuversicht. Die Hygienekonzepte von großen wie kleinen Häusern, Clubs und Veranstaltungslocations funktionierten – oder versagten nicht. Man saß zwar mit Maske in überdimensionierten Sälen oder abgefuckten Kellerlokalen und übergoß sich bei jeder zweiten Gelegenheit mit Desinfektionsmittel – aber wenn die neue Normalität nach Ethanol riechen sollte, hat wenigstens auch die Inländer-Fraktion etwas davon.


theatercombinat-Leiterin Claudia Bosse im Gespräch zu Opfermythen und Orakeln

Dass sich die Regisseurin, Choreografin und theatercombinat-Leiterin Claudia Bosse in ihrer Analyse des Gegenwärtigen keinen passenderen Untertitel für ihren Auftakt als Solo-Performerin aussuchen hätte können, passt dabei zwar nicht ins Bild, aber auf die Bühne. »Die Evakuierng der Gegenwart« soll – Vorsatz: Oracle and Sacrifice vonstatten gehen. Das erste Stück brachte Bosse im vergangenen Oktober noch vor dem lighten Lockdown in den von ihr zum Whitecube umformierten Tanzquartier in Wien.

Ein performatives Forschen in der Zukunft und in der Vergangenheit zu Orakeln und Opfermythen habe man zu erwarten gehabt. Ein Betasten des Inneren und Äußeren von Körpern und des Inneren und Äußeren unserer Umwelt, kündigte Bosse an – und arbeitete sich an babylonischen Mythen zu Blutopfern genauso ab wie zu den Leber-Orakeln der Etrusker. Immer im Mittelpunkt stand und steht dabei: die rituelle Opferung, das opfernde Ritual – »ein kollektiver Transformationsprozess«, wie die Choreografin erklärt.

Eine zentrale Frage zum Auftakt ihrer Performancereihe ‒ »ein Denken mit dem eigenen Körper« ‒ lautet: »Was wäre, wenn wir unsere Zukunft in unseren Organen tragen?« Inspiriert von babylonischen Blutopfern und etruskischen Eingeweideschauen werden assoziative und performative Verbindungen des Körperinneren mit dem Äußeren der Welt gesucht.

Das Gespräch mit Claudia Bosse, dass ich mit dem Journalisten und Stadtforscher Michael Franz Woels aufgenommen habe, ist ab 18. November über das Archiv abzurufen. Hier einige Ausschnitte:

Claudia Bosse: Die Evakuierung der Gegenwart geht damit einher, dass wir die meiste Aufmerksamkeit in einen merkwürdigen Zeitraum des Digitalen verschieben. Mit der Live-Performance habe ich den Versuch unternommen, den Moment dieser geteilten Anwesenheit zu retten und zu feiern. Sofern das unter diesen Bedingungen möglich war.

Was interessiert dich an den Begriffen der Orakel und Opferungen?

Der offensichtliche Wunsch, Auskunft zu bekommen, interessiert mich. Man befragt Mensch oder Dinge und dieses Auskunftgeben passiert häufig in einer uneindeutigen Weise. Sätze und Zeichen benötigen den Leser und Interpreten, um sich aus einem Moment der Vieldeutigkeit die Möglichkeit eines offenen Raumes, einer Deutung, offenbaren zu lassen. Das ist auch der Moment der Kunst generell. Es liegt etwas vor, mit einem offenen Ausgang, das sich einer rationalen Eindeutigkeit entzieht.

Den Begriff des Orakels oder Opfers verbindet man mit etwas Archaischem. Dabei gibt es auch heute Orakel und Opfer in allen Lebenssituationen, man nennt sie nur nicht so. Apps bestimmen unsere Zukunft , man passt sich an sie an, trackt seinen Körper und bringt damit ein Opfer, das in seiner Ausführung ritualisierten Mustern folgt.

Das bessere Ich obliegt ja häufig in unserem neoliberalen Kapitalismus einer Optimierung, von Körpern und Wegen, der Pflege von Kontakten, sexuellen Präferenzen, der Kontrolle seiner Ernährung, etc. Im Zwischenraum des Orakels versucht man durch die Voraussehbarkeit darüber Kontrolle zu bekommen. Man will dem Einbrechen von etwas Unverwartetem tunlichst aus dem Weg gehen.

Ein anderer Aspekt, der mich am Orakel interessiert hat, ist diese bestimmte Form der Verknüpfung im Denken der Babylonier oder auch Etrusker, dass im Detail eines Körpers, in einem Organ, die Entscheidungen des Kosmos lesbar sind. Wenn man diese Grammatiken der Verbindungen des Körperinneren zu dem, was uns umgibt, kennt, kann man die Zukunft ermessen. Damalige Gesellschaften mussten für, auch politische, Entscheidungen ein Orakel, also eine Gottheit, ein metaphysisches System befragen. Nur ein positives Orakel gab einem Herrscher neben strategischem Kalkül eine gesellschaftliche Legitimierung, um zum Beispiel in den Krieg zu ziehen. Dieses Denken scheint unserem scheinbar recht rationalem Denken, wie wir Politik begreifen – wenn auch   zuletzt in Amerika nicht sehr rationalen Art und Weise – doch eher fremd zu sein.

Du hast verschiedene Zeitphilosophien erfahren, da du viel international reist und performst. Kannst Du Deinen Versuch, von einem rein chronologischen Zeitdenken wegzukommen, erörtern?

Es gibt zwei Tendenzen. Das eine hängt mit dem Kern meiner Arbeit zusammen. Die letzten zehn Jahre habe ich ganz stark versucht, politische Hybride, wie ich es genannt habe, zu erarbeiten. Es war der Versuch, O-Töne, dokumentarisches Material, Vor-Ort-Recherchen zu kombinieren mit Texten und Material aus anderen Zeiten.  In den Performanz- und Installationsarbeiten habe ich versucht, Kompositionen unterschiedlicher Zeiten zu schaffen. Poetische Texte wurden mit politischer Philosophie, oder einem fragilen politischen Denken aus Situationen des gesellschaftlichen Umbruchs zu verfugen und in ein Verhältnis zu bringen. Es war ein Versuch des Begreifen, um aus der Hysterie der Gegenwart heraus zu geraten. Diese negiert ja oft Geschichte. Andere Verhältnisse und Polyphonie wurden dadurch hergestellt, zwischen autorisierten Denkern und Menschen, die verunsichert im Moment denken und dadurch noch einmal ein ganz anderes Material geben, über die Porosität und die Fragilität bestimmter politischer Situationen. Diesen performativen und theatralischen Raum begriff ich als einen Raum der Verschneidungen unterschiedlicher Zeiten, nicht im Sinne eines klaren Narrativs, sondern im Gegenüberstellen unterschiedlicher Zeitmaterialien. Ein Verweisen auf unterschiedliche Dimensionen und Sprachen, in denen sich Wirklichkeiten und Gedanken verkoppeln und äußern. 

Zuletzt erfuhr ich im künstlerischen Arbeiten einen Konflikt, weil ich den Eindruck hatte, dass das Beikommen von internationalen Konflikten, diese Überschlagung von Ereignissen, mich nur noch zu einem Konsumenten von Gegenwarten macht, die sofort zu Geschichte wurden. Ich fühle mich dem gegenüber hilflos. Deshalb habe ich versucht, einem poetischen, nicht erklärbaren, einem nicht auflösbaren Denken Raum zu geben und intuitiver zu komponieren und einer anderen Ressource des Denkens zu vertrauen – die, vielleicht auch unverständlich, etwas zum Ausdruck bringt, eine Wirklichkeit produziert, wie man sich im Moment mit Körpern und Material im Raum auseinandersetzten kann.   

Über das Reisen merkt man ganz stark, von welchen Prämissen unsere Kultur und unser politisches System getrieben wird, sei es im Kunstbereich, oder in Form einer politischen Kultur. Arbeitsreisen sind ein großes Geschenk, da die Relativität der eigenen Wirklichkeit auf eine befreiende, erschreckende, oder sehr klare Weise spürbar wird. Wovon hängen der Common Sense oder die Einsichten, mit denen man sich umgibt, eigentlich ab? Meine letzte Reise ging aufgrund einer Arbeitseinladung nach Indonesien. Ich bin da auf eine Kultur gestoßen, die auf eine spezifische Weise Religion synkretistisch geformt hat. Es gibt animistische Religionen, die mit sich, mit dem Islam oder auch einigen wenigen Christen sich verfügen. Dort existiert ein anderes Zeitverständnis, das nicht linear ist. Alle Zeiten sind gleichzeitig anwesend. Unser Verorten mittels rationaler Kausalitäten auf einem Zeitstrahl steht einer Zusammenschau der parallel existierenden Gegenwart, Zukunft und Vergangenheit gegenüber. Und speziell auf Java gibt es auch die Vorstellung, dass es keine Leere gibt, sondern dass jede Leere mit Spirits besetzt ist. Trotzdem gibt es daneben auch wieder ganz rationale Zusammenhänge, aber diese für mich erst mal nicht nachvollziehbaren Übergänge – Gedanken, die unsere Gegenwart komplett anders verorten – haben mich wahnsinnig interessiert. Ich habe auch begonnen, mich wieder mit den Biokosmisten auseinanderzusetzen. Sie sagen zum Beispiel, Gerechtigkeit kann erst entstehen, wenn all die Toten wieder teilhaben können an der Gegenwart. Es hat dem Gefüge meines rationalen Denkens über Elemente, Natur, Zeichen und Material, wie ich den Alltag oder Beziehungen kontrollieren kann, etwas entgegengesetzt.

Das gesamte Gespräch mit Claudia Bosse ist in der November-Sendung von Grundrauschen zu hören.


Neues im Plattenschrank

Eigentlich hätte Rana Farahani aka Fauna bereits im Frühjahr 2020 ihr zweites Album vorgestellt – bei einer Release-Show am Hyperreality Festival in Wien. Daraus wurde nichts. Jetzt rutschte die Platte still und leise auf Bandcamp raus. Und: »Syncronia« ist eine späte Platte des Jahres, die Weihrauch schwenkend vom Blauburgunder kostet. Ergebnis: Ambient-Rausch im Outer Space, Oratorium im Kirchenschiff, Pop-Entwurf für Cyberpunks und Cyborgs.

Bisher gibt es »Syncronia« nur als digtalen Release. Sollten die Viren bis nächstes Jahr krepieren, stellt Farahani die Platte am 11. Februar 2021 in der Gustav Adolf Kirche vor. Fingers crossed!


Was diesen Monat rauscht

Susanna Gartmayer und Christof Kurzmann – »Sadder Forms« (smallforms)

smallsforms vereint das Beste, was man aus der wohl-temperierten Suppe des Wiener Undergrounds aktuell fischen kann – bissl dada, immer Avant-Garde und damit mindestens fünf Schritte weiter in die Zukunft trippelnd. Bass-Klarinettistin Susanna Gartmayer und Impro-Wunderwuzzi Christof Kurzmann haben letztes Jahr im Rahmen von smallforms, dem Event, ein Konzert im Château Rouge in Wien gespielt, bei dem es blubberte und bleepte, als wäre der Fortbildungskurs im Holzblasverein ins Museum für moderne Kunst verlegt worden. Genau richtig, um sich vor dem Kaminfeuer genüsslich drei Sazeracs in die Taille zu löten.

LDY OSC – »Species Of Beasts« (s/r)

Alyssa Auvinen Barrera kommt aus Mexiko, lebt in Wien und schaufelt tonnenweise Schlamm aus Kick-Drums, die so lange beben, bis der Stephansdom zusammenkracht und am Graben Platz für eine coronafreie Mehrzweckhalle entsteht. Auf die Idee, dass die Ballett-Lehrerin und selbstbezeichnete Yogi Barrera erst im Frühjahr eine Meditations-Platte mit tibetanischem Klangschalen-Gewitter und feingetunten Synthesizern veröffentlicht haben könnte, muss man nach dem Geballer auf »Species Of Beasts« auch erst mal verdauen.

Mia Legenstein – »See.Land.Fluss« (s/r)

Musikwissenschafterin, DJ, Model und Soundwissenschafterin Mia Legenstein hat sich im Sommer nicht untätig an den See gepflanzt, sondern die Mikrofone baumeln lassen. Am Lunzer See, zwischen Bachforellen und Flussbarschen, gründelt ein Tiefseerausch, der an eine Zeit im letzten Sommer erinnert. Kinder plantschen, Wasser plätschert, das ganze ist so weit weg wie Österreich von einer vernünftigen Corona-Lösung.

Conny Frischauf – »Die Drift« (Tapete Records)

Endlich. Endlich. Endlich! Conny Frischauf, der wunderbarste Pop-Export mit Leftfield-Weirdo-Electronica-Ausfallschritt aus Österreich, bringt nächstes Jahr ihre Debüt-Platte auf Tapete Records raus. Mit »Roulette« gibt’s den ersten Auszug, eine Windmühle gegen den Hochnebel, die Soma-Pille für November-Leichtigkeit, ein Lichtblick zum Maskenball. Tschau, Kakau!

Maurizio Ruben Massaro – »Parking Lot: Various Soundtracks« (s/r)

Stöpselt Maurizo Ruben Massaro, so der ziemlich coole Straßenname von Winkelschleifer, die Gitarre ein, brummt und keift es im Maschinenraum, als hätte man eine Horde Babyelefanten mit Desinfektionsmittel abgefüllt. Der neue Streich von Massaro lotet die lange Weile zwischen zwei Akkorden aus, schmeißt Drones in den Ring, und Synthesizer-Fetzen über das Feedback-Gebrüll. Vienna’s finest Krachmacher!

Kinetical & P.tah – »Lift« (Duzz Down San)

Grime und UK-Bass-Banger made in Austria? Kann man haben! Kinetical und P.tah, der Linzer Bua und der Wiener Ghetto-Strizzi ballern mit »Lift« die Triple-Ryhmes über Beats, bei der sich jeder Käfigkicker in die Hosen scheißt. Wenn Wien nach Bristol klingt und man Kreditkarten unterm Riesenrad in die Fresse rammt, nimmt man den »Lift« und schießt sich in den zwölften Stock. Ritsch, ratsch, bum!

Brómus – »Breathes and Trembles« (s/r)

Keine Ahnung, wer hinter diesem Ambient-Projekt an den Reglern herumdreht, aber an Tagen, an denen die Sonne sich nach halb fünf verpfeift, könnte man seinen Frontallappen mit keinem besseren Soundtrack massieren. Brómus, der Mann (?) hinter dem Projekt, teilt zwar weder Namen noch Adresse, ist aber so etwas wie der Wiener celer, ein Ambient-Gönner mit Output, bei dem man nur applaudierend am Beckenrand stehen kann. Allein im November kamen auf Bandcamp drei Alben raus. Jedes einzelne könnte hier stehen.

Lonesome Hot Dudes / Holnaplányok – »s/t« (Wilhelm show me the Major Label)

Österreich-Ungarn – endlich wieder vereint. Bevor man aus Versehen drei Flaschen für die Habsburger köpft, die Flagge zu Ehren des Kaisers hisst und das Gulasch durch die Kanone pfeift, schiebt man lieber das Split-Tape der Wien/Graz-Band Lonesome Hot Dudes und den ungarischen Avant-Anything-Post-Rockern Holnaplányok ins Kassettenfach. Riot Grrrl-Attitude mit einsamen hotten Dudes, besser wird’s nicht.

Discoromantik – »Besoffene Lover« (Heiße Luft)

Autotune, Beats zwischen Ganja und Lean, Probleme der Millennials – die heilige Triade für jeden Sag-niemals-Cloud-Rap-Song haben die lieben Leute von Heiße Luft in einem Zug inhaliert – und mit »Besoffene Lover« auf Albumlänge wieder ausgehustet. Discoromantik sind die MCs Jonas Herz-Kawal und Hiphop Joshy mit Producer Melonoid (u.a. Hunney Pimp), EDWIN und Gloriettenstürmer jodeln auf Features mit. Double-Sheesh!

Max Pertl – »Stars In Her Eyes« (s/r)

Bonobos und Four Tets dieser Welt, vereinigt euch, huldigt dem Pertl und chillt eure Basis. Klingt so, als hätten Boomer freche OK Boomer-Memes geteilt, zwar drei TikTok-Jahre zu spät, aber egal. Max Pertl, ein Wiener Produzent, schippert mit »Stars In Her Eyes« stilsicher auf Spotifys Relax-Sex-Playlists und kümmert sich einen Scheißdreck um 24/7-Lofi-Streams auf YouTube. Why not, eigentlich?


Weiterhören, weiterlesen, weiterdenken

Zu Raves während Corona kann man stehen, wie man will (ich argumentiere dagegen), aber wer innerhalb der bestehenden Regelungen feiern will, soll das tun können. Oder besser: hätte das tun sollen dürfen. Was die Polizei Ende Oktober (vor Lockdown) in Berlin abgezogen hat (Fetisch-Party trotz Hygienekonzept aufgelöst, Leute verbal diskriminiert, Safe Space zerstört) und was den Medien dazu eingefallen ist (Spoiler: Re-Viktimiserungen), hat längst den Bezugsrahmen der Corona-Diskussion verlassen. Laura Aha dokumentiert für die Groove nicht nur den aktuellen Fall, sondern stößt die Tür ein wenig weiter auf: »Die Rücksicht auf vulnerable Gruppen ist seit Beginn der Pandemie das – absolut richtige – Hauptargument zur Legitimation umfassender Grundrechtseinschränkung. Nach fast neun Monaten Pandemie wird deutlich, dass die Frage der Vulnerabilität sich jedoch nicht rein auf die physische Gesundheit beziehen kann.«


… bevor wir auseinandergehen


Christoph Benkeser ist freier Journalist, Redakteur und Radio-Moderator. Du findest ihn auf LinkedIn oder Twitter. Sag »Hallo« via E-Mail oder schreibe ihm für eine Zusammenarbeit.

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